Page 10 - Mary Bauermeister - No fighting on Christmas
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„No Fighting on Christmas“
            oder wie Ms. Cornflakes die USA sieht
            Dr. Kerstin Skrobanek



            Mary Bauermeister gehört zu den absoluten Ausnahmeerscheinungen
            der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach einer Studienzeit bei
            Max Bill an der legendären Hochschule für Gestaltung in Ulm in den
            1950er-Jahren kehrte sie 1959 nach Köln zurück. In ihrer zentral gele-
            genen Wohnung veranstaltete sie vielbeachtete Ausstellungen unmit-
            telbar zeitgenössischer Kunst kombiniert mit erfolgreichen Konzerten
            experimenteller Musik. Neben eigenen Werken waren dort unter an-
            derem Arbeiten der ZERO-Gruppe zu sehen. Durch die Atelierkonzerte
            lernte Mary Bauermeister amerikanische Künstler und Musiker kennen,
            wie beispielsweise John Cage, Ben Patterson und Nam June Paik. Pat-
            terson und Paik wurden zu lebenslangen Freunden der Künstlerin.

            Während die Amerikaner nach Europa kamen, um die Errungenschaf-
            ten der Neuen und Experimentellen Musik zu studieren, war für die
            Bildenden Künstler seit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges klar,
            dass man nur in New York die absolute Avantgarde erleben konnte.
            Während der Atelierkonzerte in Köln lernte Mary Bauermeister auch
            Karlheinz Stockhausen kennen, mit dem sie in der Folge 1962 im
            Stedelijk Museum Amsterdam ausstellte. Dessen fortschrittlicher Di-
            rektor, Willem Sandberg, lud die beiden Künstler ein, Kunstwerke und                                                                                  Diese bildet die Rückseite zu den Zeichnungen und Linsenkästen auf den Seiten 14, 18–22, 26–28, 32 und 33
            Partituren in einer gemeinsamen Ausstellung zu zeigen. Stockhausens
            Musik wurde parallel zur Bildpräsentation vom Tonband abgespielt.
            In Amsterdam fand eine zweite Begegnung mit Amerikanischer Kunst
            und Kultur statt: Sandberg zeigte parallel zur Ausstellung der beiden
            Kölner Künstler die Schau Four Americans mit  Werken von Robert                                                                                      Detail der Grafik „The A’s Touch or The Artist’s Touch” von 1967.
            Rauschenberg, Jasper Johns, Alfred Leslie und Richard Stankiewicz.
            Präsentiert wurde unter anderem Rauschenbergs heute so berühmtes
            Werk „Monogram“ – ein mit Ölfarbe bemalter Ziegenbock, der einen
            Autoreifen um den Bauch trägt – das zwischen 1955 und 1959 entstan-
            den war und heute zu einer der Ikonen der Nachkriegskunstgeschich-
            te gehört. So führte Sandberg die künstlerischen Avantgarden beider
            Kontinente zueinander: Die sehr abstrakten, intellektuellen  Werke



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